Ich bewerbe mich als Elfenkriegerin. Das wirkt elegant und entschlossen zugleich.

[Titel gefunden auf Pinterest Karriereservice.de.]

Stellenanzeigen. Aufgemotzte Variante der privaten Kontaktanzeigen glänzen mit akademischen Floskeln um Frischfleisch anzuwerben, das Beuteschema sollte bestenfalls alles sein und alles können. Das Anforderungsprofil mancher Firmen ist meist zugeschnitten auf die Ferraris unter den Employees, den Enzyklopädien auf zwei Beinen, das nach dem Durchlesen höchstens dazu animiert die Nummer eines Therapeuten zu wählen.

In einer Welt von Leistungssteigerung und Selbstfindung frage ich mich, wollen wir uns weiterhin an übertriebene Ideale anpassen oder tun wir lieber das womit wir uns am ehesten identifizieren können?

Ich lese diese ‚Wunschzettel‘  und bin mir sicher, der Verfasser glaubt noch an den Weihnachtsmann. Wäre ich bestimmt gewesen allen Ansprüchen zu genügen, wäre ich mit Sicherheit als eierlegende Wollmilchsau zu Welt gekommen. Bin ich aber nicht. Ich glaube die suchen nicht mich. Zu frech, zu eigensinnig. Gut, gibt es Kurse an der VHS oder ein Handbuch das die Kunst des ‚Popo küssen’s‘ lehrt? Mit Sicherheit gibt es sowas. Aber möchte ich wirklich eine lebenslange Verbindung mit einer Firma eingehen für deren Geschäftspolitik ich mich komplett verbiegen müsste?

Personaler : „Bezahlt wird bei uns nach Leistung“ – Bewerber : „Sorry davon kann ich nicht leben“. (Quelle: Pinterest)

Firmen erwarten außergewöhnliches und halten einen Stundenlohn von acht bis zehn Euro für ausreichend. Neues, frisch aus der Ausbildung kommendes Personal ist gern gesehen, es bringt junge Ideen in den Laden. Mit Wertschätzungsmaßnahmen langjähriges Personal zu halten, ist nicht zu unterschätzen. Solche Mitarbeiter sind die tragenden Säulen eines Unternehmens. Ein Team, das sich vertraut und eigenständig delegiert entsteht erst durch Zeit, Menschen funktionieren nicht auf Knopfdruck. Sie erwirtschaften erst dann kompetent Erfolge wenn sie entsprechend auf die betriebsinternen Abläufe geschult und eingearbeitet wurden, sich verstanden und wertgeschätzt fühlen, gefolgt von freigestellter Eigenverantwortung und dem Vertrauen das man in sie setzt. Wertschätzung ist das ‚A‘ und ‚O‘, in Form einer fairen Entlohnung, regelmäßigen Feedbackgesprächen, und dem Fördern ihrer vielleicht noch ungeschliffenen Fähigkeiten. Jeder gute Leader weiß, um zu wachsen braucht der Mensch Herausforderungen. Übertriebene Kontrolle und unnötige Machtpolitik erstickt ein Unternehmen im Keim, es entwickelt sich nicht weiter. Die Großen brauchen sich nicht wundern, Mitarbeiter verlieren ihren ‚drive‘, sind lustlos, verlernen eigenständig, im Sinne des Unternehmens, zu denken und zu handeln. Kurz, sie haben irgendwann keinen Bock mehr und suchen sich was neues.

Bekanntlich wächst man mit seinen Aufgaben, was sehr gut gerade Alleinerziehende demonstrieren. Sie wandeln sich zu talentierten Managern, mit enormer Willenskraft und Geschick delegieren sie Kindererziehung und Karriere zeitgleich. Pädagogische Betreuung des Kindes, Elternabende, seelische Fürsorge bei Krankheit, und für wichtige Termine wird sich kurzum vom Mama Model zum Runway Model aufgebretzelt. Die wahren Bosse dieser Welt haben Babykotze auf dem Shirt! Sie feiern das mit der Gelassenheit einer 60-jährigen auf Weedfahrt, während sie zwischen Windeln, Haushalt & Co, ein Fernstudium meistern, ganz ohne Managerboni.

Ich denke heutzutage wird es immer wichtiger das sich Unternehmen auch an Mitarbeiter erfreuen die alternativ zu den fachlichen Anforderungen soziale Kompetenzen mitbringen. Über Soft Skills verfügen wie z.b. neue Lösungsansätze finden um Prozesse zu optimieren, Kreativität, das flexible anpassen an neue Situationen, bereit Risiken einzugehen, emotionale Intelligenz, Eigeninitiative, unternehmerisches Handeln, und Mut zum kritischen Denken, denn reine Befehlsempfänger gibt es genügend. 

Ich als Normalo Employee mit einem Gespür für das Wesentliche, aber keinem akademischen Grad auf dem Papier, lasse mich trotzdem nicht entmutigen. Ich sehe mich als kreative Unternehmerin und überlege dementsprechend eine Stellenanzeige zu schalten. Drehen wir mal ein Spießchen:

Wir, Mutter im 168 Std-Vollzeit-Job mit Qualifikationen im Bereich Psychologie, Gesundheitscoaching, Projekt-, Finanz-, und Eventmanagement, Pädagogik, Gastronomie, Reinigungswesen, Fahr- und Abholservice, Handwerk, sind ein mittelständiges Unternehmen mit Sitz in X. Wir wachsen stetig weiter und suchen zum nächstmöglichen Zeitpunkt einen erfahrenen Mentor.

Bieten: Zielstrebigkeit, Problemlösekompetenz, geschmeidige Ecken & Kanten, gute Laune, geht nicht-gibt’s nicht-Mentalität, Teamfähigkeit, Ideenreichtum, Scharfsinnigkeit, Erfahren im Umgang mit verschiedenen Mentalitäten (u.a. Arschlochkinder und deren Eltern), Entscheidungsfreude, und wir sorgen für herrlichen Kaffee.

Sie bringen mit: ausgeprägtes Gespür für eine faire Entlohnung, Empathie, die Fähigkeit zuzuhören, Mut zur Veränderung, Delegationskompetenzen, bevorzugt Erfahrung im Erkennen und Fördern von Potenzial, ein inspirierendes Gemüt.

Ihre Aufgaben: pünktliche Bezahlung und für eine gute Work-Life-Balance sorgen.

Wir sind bereit für Sie! Sind Sie bereit für uns?

In mir keimt die Hoffnung meinen ‚Wunschkandidaten‘ von Mentor eines Tages zu begegnen, eine Firma mit deren Philosophie ich mich identifizieren kann. Mal ehrlich, was ist langfristig gesehen erfüllender?,.. wenn wir zum Unternehmen passen oder das Unternehmen zu uns?

Bis dahin folge ich weiter dem Ruf nach Berufung und kombiniere fleißig Wörter zum großen Ganzen. Das finden, bei dem man die Zeit vergisst und komplett in seinem Tun versinkt, ist sicherlich der richtige Weg.

Eure Peggy Gardot

Ich feiere jeden Kommentar, haut rein, siehe unten. 🙂

 
[Artikel verfasst April 2015 > Nachtrag: kurz darauf bin ich meiner Wunschfirma begegnet, bessere Chefs kann ich mir nicht wünschen. >> 2020 >> die Begeisterung hält an :)]
 

4 Kommentare

  1. Dein kritisch-ironischer Beitrag hat eine Menge drive, liebe Peggy und auch ich muss über die „Wunschzettel“ schmunzeln. Aber es gibt offenbar noch eine Steigerung:
    Kürzlich habe ich gelesen, dass für offene Stellen passende Bewerber über Computerspiele rekrutiert werden sollen. Das Spielverhalten soll wohl Rückschlüsse auf Kompetenzen (Teamfähigkeit, Lösungorientierung, Empathie usw.) erlauben. Außerdem sollen sich Bewerber mit einem Computer „unterhalten“. Aus dieser „Konversation“ wiederum sollen Rückschlüsse über Sprachverhalten u.ä. gezogen werden …
    Lieben Gruß, Beate

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo liebe Beate:)
      ich freu mich sehr darüber das dir der Beitrag gefallen hat und ich finde das ist ein sehr interessantes Thema das du da ansprichst. Das nun auch Computerspiele zur Rekrutierung mit eingesetzt werden, finde ich persönlich sehr kurious. Mag daran liegen das ich mit dieser Welt nicht vertraut bin:) Ich frage mich wie eine Software jemals ‚verstehen‘ kann was mein Handeln oder meine Entscheidung bedeutet. Solchen Auswertungen fehlt einfach die emotionale Intelligenz und die ist doch eigentlich notwendig für eine gute Teamfähigkeit. Da wird die menschliche Vielfalt auf die Analyze eines von Menschen entwickelten Programmes begrenzt. Mit ‚über den Tellerrand schauen‘ ist dann nicht mehr:) und es wird ausschließlich kategorisiert. Oder man müsste das Program genauso schnell aktualisieren bzw anpassen, da jeder sich unterschiedlich schnell weiter verändert. Kommunikativ gesehen ist das kommunizieren über Plattformen wie eben Vidospiele letzten Endes doch nur ein Austausch von Botschaften. Wie authentisch die sind lässt sich mutmaßen. Rückschlüsse auf das Sprachverhalten zu ziehen sehe ich als schwierig da über Plattformen die Qualität der Kommunikation schlichtweg einfach nicht gegeben ist…
      Herzliche Grüße und einen schönen Tag wünsche ich dir:) Peggy

      Gefällt 1 Person

  2. Ob ich einen Sklaven in Ketten lege
    Oder in beständigere leichter unsichtbare
    Jene aus Angst und Abhängigkeit gemacht
    Ist nur ein gradueller Unterschied

    Ich habe in manigfache Berufsfelder geschaut
    Darin Erfahrung erarbeitet und bin zu dem Schluß gelangt
    Damit Schluß zu machen

    „Der Verrat am Selbst
    Die Angst von Mann und Frau vor Autonomie“
    von Arno Grün
    Beschreibt wie die Würde des Menschen paralysiert alles mit Ihm machen Läßt
    Oder
    Denn die Butter auf dem Brot
    Sei Sie noch so süß ist vergiftet mit der Verachtung und Bitternis
    Derer die wie eben eine Bloggerin „..einen Scheißarbeitstag“ erlitten
    Wenn Es denn eine Täter Opferrolle gibt dann auch die der Selbstbefreieung

    Frei nach Friedrich Schiller
    Die da oben können nur unterdrückend herrschen
    Weil die da unten kriechen

    Zeit ist wenn schon Geld
    Dann ist Geld Lebenskraft
    Lebenskraft ist Blutskraft
    Und Blut ist Lieben

    Wo nicht erfolgt eine Blutsvergiftung
    Siehe ich habe Es Euch gesagt

    danke
    Dir Joaquim von Herzen

    Gefällt 1 Person

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